Geschichte

Liedertafel und die Entwicklung zur Sängerschaft

Im ehemals deutschen Prag mit seiner 1348 gegründeten, ältesten deutschsprachigen Universität reichten die Bestrebungen zur Gründung einer studentischen Vereinigung zur Pflege des deutschen Männergesanges bis auf das Jahr 1869 zurück. In diesem Jahre gründete sich am 20. Oktober die „Liedertafel der deutschen Studenten“, die als Vorläufer unserer späteren Sängerschaft gilt. Im Lichte ihres musikalischen Erfolges wuchsen sowohl Bekanntheitsgrad als auch Mitgliederzahl der Liedertafel so schnell, dass sie schon bald und immer öfter das kulturelle Leben Prags prägten und mit ihren Chorauftritten den musikalischen Rahmen universitärer Festlichkeiten gestalteten.

Parallel zu ihrem musikalischen Wirken entwickelte sich innerhalb der Liedertafel der Wunsch, den Verein zu einer studentischen Korporation umzubauen. Das seit 1869 geführte Vereinsabzeichen, eine blaue Schleife mit weißer Lyra, wich 1881 einem eigenen Zirkel und der Annahme unseres neue heute gültigen Wahlspruches „Des Geistes Kraft der Wissenschaft und das Gemüt dem deutschen Lied!“. Von nun an konnte sich der Gesangverein ganz im Sinne einer eigenständigen Korporation entwickeln. Ab 1884 trugen die Mitglieder die blauen Mützen und bereits ein Jahr später wurde der Liedertafel der Titel „Universitätsgesangverein“ (U.G.V.) von der Prager Universität verliehen. Der „Universitätsgesangverein, Liedertafel der deutschen Studenten“ bezog ein eigenes Chargenzimmer in der Universität und galt fortan als Hauskorporation. Es folgten etliche öffentliche Auftritte, z. B. auf der 100-Jahr-Feier der Technischen Hochschule in Prag 1906. Mit der Einführung der drei Farben hellblau-weiß-hellblau auf Kappe und Band war 1901 auch die Entwicklung des UGV zur Korporation abgeschlossen. Schon lange zur größten Korporation Prags gewachsen, wurde in der starken Aktivitas der Wunsch nach einer Namensänderung laut. So beschloss der Generalconvent am 14. April 1909 schließlich die Namensänderung in „Prager Universitätssängerschaft Barden“.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 und die zunehmende Ablehnung der tschechischen Bevölkerung gegenüber den deutschen Studenten erschwerten den Aktivenbetrieb zusehends und ließen ihn schließlich erlahmen. 52 Bundesbrüder ließen im Kampf ihr Leben. Mit der Wiederaufnahme des Verbindungslebens nach dem Krieg ging ein Verbot des Farbentragens an der Prager Universität einher. Zwar hatten die deutschen Studenten in Prag in diesen Jahren mit einer stark ausgeprägten „Deutschenfeindlichkeit“ zu ringen, dennoch gelang erneut die Etablierung der Barden in der Couleur- und Kulturlandschaft Prags. Im Jahre 1921 traten die Barden dem Weimarer Verband deutscher Sängerschaften bei (ab 1922 „Deutsche Sängerschaft“). Auch der weitere Ausbau des musikalischen Wirkens schritt voran und fand mit dem ersten Rundfunkkonzert am 15. März 1931 seinen vorläufigen Höhepunkt.

NS-Zeit

Der Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Jahr 1938 hatte die Auflösung der meisten studentischen Korporationen zur Folge. Der überwiegende Teil der Aktivitas wurde zur Kameradschaft „Friedrich der Große“ zusammengefasst und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) unterstellt. Auch wenn sich einige Bundesbrüder weiterhin im Geheimen zu Singstunden und Kneipen trafen, hörte die Prager Universitätssängerschaft Barden faktisch auf zu existieren. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Deutsche Universität in Prag am 18. Oktober 1945 schließlich geschlossen, alle alten Matrikelbücher verbrannt und die noch verbliebenen Deutschen mit ihren Familien aus der sudetendeutschen Heimat vertrieben. Auch die Barden hatten in dieser Zeit einen hohen Blutzoll zu leisten, denn 87 ihrer Bundesbrüder fielen auf dem Schlachtfeld, weitere 48 wurden noch nach Kriegsende erschlagen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Bereits im Juni 1948 trafen sich einige Barden zuerst in Würzburg wieder, um über das weitere Bestehen der Verbindung zu beraten. Je nach dem, wo sich nach der Vertreibung aus dem Sudetenland alte Prager Barden wiederfanden, gründeten sich insbesondere im bayerischen Raum mehrere verschiedene Aktivengruppen unter einem gemeinsamen Altherrenverband – so in Würzburg, München, Regensburg und Heidelberg. Die Regensburger und Heidelberger Aktivengruppen konnten sich jedoch nicht etablieren und wurden bald wieder aufgelöst bzw. gingen in anderen ortsansässigen Korporationen auf.

Am 29. Januar 1951 beschloss ein außerordentlicher Altherrentag, die Aktivengruppe Würzburg als „Sängerschaft Barden zu Würzburg“ anzuerkennen. Diese stellte auch ihr musikalisches Können bereits ein Jahr zuvor am 18. November 1950 beim ersten Nachkriegskonzert der Barden anlässlich der Wahl unseres Bundesbruders AH (hc) Prof. Dr. Ernst Hoyer zum Rektor der Würzburger Universität unter Beweis. Weitere Auftritte folgten in den kommenden Jahren vor allem zu festlichen Anlässen der Hochschule, was den Würzburger Barden 1958 erneut den Titel „Universitätssängerschaft“ einbrachte. Die ebenfalls in Würzburg ansässige Sängerschaft Saxo-Thuringia übernahm in Form eines Kartellvertrages bis 1956 die Patenschaft für die junge Aktivitas.

Parallel zu den Entwicklungen in Würzburg gründete sich am 24. März 1952 ebenfalls aus der schon bestehenden Aktivengruppe in München die „Sängerschaft Barden zu München“. Nun teilten sich zwei Sängerschaften in Würzburg und München die alte „Prager Tradition“. Dieser Umstand brachte für den gemeinsamen Altherrenverband vor allem finanzielle Schwierigkeiten und die Ansicht, dass ein Überleben der Sängerschaft eher in München als in Würzburg gewährleistet werden könne. Mit Beschluss des Altherrentages am 8. Dezember 1957 wurde die „Prager Universitätssängerschaft Barden zu München“ alleinige Traditionsträgerin und übernahm damit Farben und Zirkel, die alten Kartelle und große Teile der Altherrenschaft. Die Würzburger Barden wurden durch diesen Beschluss ab dem 1. Januar 1958 zur selbstständigen Sängerschaft mit eigenem Altherrenverband sowie leicht veränderten Farben und Zirkel. Dem hellblau-weiß-hellblauen Band wurden ein roter und ein schwarzer Vorstoß beigefügt und aus dem „V“ im Zirkel wurde ein „W“.

Gegenwart

Nach anfänglichen Erfolgen der Würzburger Barden in den 1960er und 1970er Jahren, folgte während der 1980er Jahre eine Periode, die die Verbindung an den Rand der Existenz brachte. Wegen zurückgehender Aktivenzahlen musste der Betrieb für mehrere Semester eingestellt werden. Aufschwung erlebte der Bund seit Beginn der 1990er Jahre, als sich wieder eine Handvoll aktiver Bundesbrüder fanden, die den Betrieb seit dem mit kurzen Unterbrechungen aufrechterhalten. Der Austritt aus der Deutschen Sängerschaft (DS) 2004, der die Barden seit 1921 angehörten, ging mit dieser schwierigen Situation einher.

Julfeiern, Stiftungsfeste, Kneipen, Stammtische und viele andere Veranstaltungen blieben trotz der schwierigen Mitgliedersituation immer erhalten und werden heute insbesondere durch eine lebendige Altherrenschaft getragen. Aktuell zählen die Barden wohl zu den kleinsten Korporationen in Würzburg. Dennoch sind sie bekannt und werden wahrgenommen, sind gern gesehene Gäste und gute Gastgeber.